Theaterpädagogik - Was ist das eigentlich genau?

Grundsätzlich geht es um eine sanfte Hinführung zum Theaterspiel unter pädagogischer Anleitung und Zuhilfenahme zahlreicher theaterpädagogischer Methoden (s.u.) ohne Überforderung des Teilnehmers.

Und über allem spannt sich der Bogen des: einfach Spaßhabens!

 

Aber es ist gar nicht so einfach, meine Tätigkeit kurz, knackig und eindeutig verständlich darzustellen - weil die Theaterpädagogik so vielfältig und umfangreich ist. "Spielt ihr Theater? Probt ihr einen Auftritt? Macht ihr Improtheater?" Die Antwort lautet wohl: "Ja, das und noch vieles, vieles mehr." 

Was bedeutet es für mich? "Spielerisch fürs Leben lernen" - so lautet ja auch mein Slogan und Motto.

Aber fangen wir von vorne an:

 

Die Theaterpädagogik ist eine eigenständige Disziplin, die sich zwischen den Bereichen Theater und Pädagogik bewegt. So weit, so unklar.

 

Ursprünglich eher dem Schul-  sowie Laientheater zuzuordnen, ist das Feld der Theaterpädagogik heute sehr breitgestreut:

  • Arbeit an sozialen Brennpunkten und -themen
  • Entwicklung freier Theaterprojekte
  • Unterricht an Schulen und Schauspielschulen
  • Inhaltliche Schwerpunktsetzung (zB. Deutschunterricht veranschaulicht durch die Mittel des Theaters,...)
  • Sprach- und Sprechtrainings
  • Aufträge in der Wirtschaft (Persönlichkeitsentwicklung, Rhetorik/Körpersprache, Gruppendynamik, Teambildung, ...),
  • Vermittlung spezieller Theater-Methoden (zB. Jeux dramatiques, Schattentheater, Improtheater,...)
Außerdem beschäftigen viele Theaterhäuser Theaterpädagogen, deren Aufgabe es ist, den Kontakt zwischen Theater und Publikum zu entwickeln und auszubauen.

Im theaterpädagogischen Prozess können zahlreiche Lernfelder gestaltet werden, die es dem Theaterpädagogen ermöglichen, die Teilnehmer in ihrer persönlichen und eine Gruppe in ihrer strukturellen Entwicklung zu fordern und zu fördern.

 

Dabei kommt es zu ganz unterschiedlichen Gewichtungen der ästhetischen, gruppendynamischen, inhaltlichen und pädagogischen Anteile. Es ist wichtig, als Theaterpädagoge flexibel zu arbeiten und zu spüren, wo die Gruppe gerade steht und was sie gerade braucht. Dementsprechend groß muss das Repertoire des Theaterpädagogen sein. Vielfach spezialisieren sich Theaterpädagogen auf ein bestimmtes Alter der Teilnehmer, um dem hohen Anspruch gerecht zu werden.

 

Theaterpädagogen arbeiten demnach situationsorientiert und nehmen das Medium (Theater)Spiel als Instrument - auf dem sie im besten Fall wie auf einer Klaviatur mühelos rauf- und runterspielen können - um die jeweiligen, individuell auf die Gruppe abgestimmten Ziele zu erreichen. Was haben die Teilnehmer davon? Einen direkten Zugang zu eigenen Ideen und Impulsen und die Steigerung von Kommunikation und Interaktion in Bezug auf die eigene Person und deren (soziales und kulturelles) Umfeld.

 

 

Genauer gesagt sind die Ziele der theaterpädagogischen Arbeit:

 

  • Die persönlichen Ressourcen besser ausschöpfen können
  •  Förderung der Gruppenzusammengehörigkeit
  • Förderung des körperlichen und sprachlichen Ausdrucks
  • Förderung der Kreativität
  • Förderung der Lesemotivation (zB. bei Schwerpunktsetzung der theaterpädagogischen Planung auf ein (Kinder)-Buch)
  • Förderung der Persönlichkeitsentwicklung
  • Freude an der Bewegung
  • Steigerung des Selbstvertrauens
  • gemeinsam Spaß haben
  • mehr Mut sich auszudrücken
  • In eine Gruppe hineinwachsen und über sich hinauswachsen.
  • Sich mehr (zu)trauen
  • selbstbestimmter/selbstsicherer werden
  • Soziales Lernen
  • Entdecken, was in mir steckt.
  • Vor Publikum (be)stehen
  • Aushalten, im Mittelpunkt zu stehen, von allen betrachtet zu werden.
  • Applaus bekommen
  • Stolz auf sich sein.

 

Inhalte des theaterpädagogischen Arbeitens:

 

  • Ein genormter Rahmen (vor allem bei Kindern wichtig):
  • Begrüßungsritual - Warming-up mit verschiedenen Bewegungsspielen - kreative, theaterpädagogische Beschäftigung mit dem Schwerpunkt des Workshops bzw. der theaterpädagog. Einheit,  Cool down, Abschlussritual
  • Gemeinsame Reflexion in der Gruppe
  • Schwerpunkte können sein:
  • Sprache, sprechen, sich ausdrücken
  • Körper(Spannung), Bewegung
  • Sensibilisierung, Wahrnehmung
  • inhaltlich:
  • ein bestimmtes (Kinder)Buch, wie zum Beispiel "Das Vamperl" von Renate Welsh
  • eine Geschichte
  • Themen wie Ostern, Weihnachten,... oder auch Mobbing, Freundschaft, Liebe,...
  • Als Deutsch- und Zeichenlehrerin lasse ich auch diese beiden Schul-Fächer gerne inhaltlich einfließen.

 

Methoden des theaterpädagogischen Arbeitens:

  • Rollenspiele
  • Bewegungsspiele
  • Konzentrationsspiele
  • Kennenlernspiele
  • Kommunikationsspiele
  • Improtheater, Stegreifspiel
  • Jeux dramatiques: Eine einfache Form des Theaterspiels, die in der Intensivphase auf die Sprache verzichtet und mit dem Einlassen und Vertiefen in sich selbst, seinem Tun und Wirken arbeitet. Ohne eingeübte Spieltechnik, für Kinder entwickelt vom französischen Pädagogen Léon Chancerel, weiterentwickelt von der französischen Theaterpädagogin Heidi Frei.
  • Schattentheater
  • Maskenspiel
  • Pantomime
  • Einzel-, Partner-, Kleingruppen-, gemeinsame Übungen 
 

Abschluss bzw. Höhepunkt KANN - MUSS ABER NICHT - sein: eine Theateraufführung vor Publikum

 

Es nimmt den Teilnehmern (vor allem den noch etwas schüchternen) enormen Druck, wenn sie wissen, dass sie um ihrer selbst - ihrer persönlichen Entwicklung - willen theaterpädagogisch arbeiten, sie aber nicht zwingend auch am Ende vor anderen auftreten müssen. Schön ist es, wenn die Gruppe nach einer gewissen Zeit einheitlich beschließt, jetzt "so weit zu sein", um öffentlich aufzutreten. Dann wird - meist gemeinsam, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann - ein Stück erarbeitet und einstudiert. Hier findet sich für jeden einzelnen eine wichtige und vor allem eine passende Rolle: ob als Schauspieler, Regie-Assistent oder "nur" hinter der Bühne in der Organisation, als Licht- bzw. Musiktechniker, als Souffleur,...

 

Der Beruf des „Theaterpädagogen“ umfasst sowohl künstlerische wie auch pädagogische Aspekte. Im Hinblick auf die Qualifikation spricht man von fünf Kernkompetenzen:

  • Leitungskompetenz
  • künstlerische Kompetenz
  • organisatorische Kompetenz
  • vermittelnde Kompetenz
  • theoretische Kompetenz

Ausbildung:

  • Theaterpädagogik wird grundsätzlich in Aufbaustudiengängen an Hochschulen und Fachhochschulen gelehrt und schließt mit einem Diplom-, Bachelor- oder Masterabschluss ab.